Nov 23

Montag

Freitag der 13.

geschrieben von kathrin um 10:43 Uhr.

Ich bin kein abergläubischer  Mensch. -Wo ich ja nicht mal ohne aber gläubig bin…An einem Freitag, der gleichzeitig der 13. eines Monats ist, denke ich mir beim Aufstehen (oder vielleicht auch 1-2h später): Warum sollte der heutige Tag von Missgeschick und Unglück gespickt sein? Das ist diskriminerend…Ich finde, jeder Tag sollte gleich scheiße sein dürfen…Aber mich fragt ja wieder keiner…
Wie dem auch sei.
Ich stehe am Freitag dem 13. im Bad, als nach 10 Minuten im Radio zum 3. mal darauf hingewiesen wird, dass der heutige Tag ganz fies und gemein ist…Ich rolle die Augen entlang des mir maximal möglichen Kreisbogens und frage mich, wer diesem Schwachsinn (Aber-)Glauben schenkt.
Im Zug setzt sich mir gegenüber ein etwas verwirrt wirkender Mann gegenüber, packt sein Buch aus einer Plastiktüte aus, schlägt es auf, liest eine halbe Seite, greift in seine Tasche, nimmt eine Thermoskanne heraus, dreht sie auf, gießt sich Kaffee erst in den Deckel und dann über Hose und Buch. Er beginnt zu fluchen, ich denke: der Arme!
Zwischenhalt auf halber Strecke. Der Kaffeemann steigt, immer noch leise fluchend, aus. Ein Anzugmensch steigt ein, peilt den Sitz gegenüber an, setzt sich, springt wieder auf und fiept -äußerst  männlich-: ‘iiiiiiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeh! da is’ ja naaaaaass!’ und rennt weg.  -Scheinbar war die Thermoskanne der armen Socke auch noch im Rucksack ausgelaufen…
Während ich mich wundere, dass der Zug nicht weiterfährt, versucht sich eine ältere Dame am nassen Sitz gegenüber. Sie ist erstaunlich flink für ihr Alter…Noch bevor ich sie warnen kann, lässt sie sich nieder, hüpft wieder auf und sieht mich vorwurfsvoll an.
Mit 10 Minuten Verspätung macht sich der Zug endlich wieder an die Arbeit. Diese Verspätung reicht aus, um mich meinem Anschlussbus zur Uni hinterher winken zu lassen. Wunderbar! 30 Minuten im Niemandsland an einer Bushaltestelle. Leider stehe ich dort nicht allein. Etwa 20 Mitmenschen, die ebenfalls im Zug saßen, warten mit mir. Hinter mir beginnt ein Mädel, sich lautstark über die Missstände im öffentlichen Nahverkehr zu beschweren. Da sie 30 Minuten zu überbrücken gedenkt, verlagert sich ihr Schimpfschwerpunkt langsam von der Deutschen Bahn zur Universität und unweigerlich weiter zum leidigen Thema ‘Studiengebühren’. Mein Geduldsfaden beginnt, sich unter einem lauten Ächzen zu dehnen. Warum können manche Menschen eine kurzfristig anfallende, nicht zu ändernde, missliche Lage nicht einfach akzeptieren? Es scheint ihr unmöglich, einfach ihre Futterluke zu schließen. Hätte sie eine Seifenkiste zur Hand, würde sie sicherlich mit stolz geschwellter Brust darauf herumtrampeln.
Ich ziehe im letzten Moment die Reißleine, stöpsele 20 Sekunden vor einer bissigen Bemerkung meinen MP3-Player ein und danke im Stillen der Person, die dieses wunderbare, lebenrettende Ding mit dem Namen ‘Kopfhörer’ erdacht hat.

Danke!

Der Bus erreicht uns mit 5 minütiger Verspätung.
Als wir auf dem Campus ankommen, bin ich etwa 40 Minuten zu spät für eine 90 minütige Vorlesung, die meist bereits nach75 Minuten beendet wird. Ich beschließe also, mir diesen Auftritt zu ersparen und stattdessen gleich zur Arbeit zu fahren.
Auf dem Weg zur Bushaltestelle, noch auf der gegenüberliegenden Straßenseite, sehe ich meinen Bus kommen. Ich winke, der Fahrer winkt freundlich zurück…und fährt weiter.
Ich atme tief ein, informiere mich an der Haltestelle über den Fahrplan und meine Wartezeit: 20 Minuten…Nun ja…Warten klappt ja heute ganz gut.
Als mein Bus ankommt, befindet sich bereits eine Schulklasse im Innern. Das passt hervorragend zum Schema des heutigen Tages…
Auf etwa halber Strecke zur Zielhaltestelle werden wir von einem Autofahrer ausgebremst, der auch sofort wild gestikulierend vor dem Bus herumspringt.
Reifenpanne.
Man glaubt es kaum!
Alle aussteigen…auf den nächsten Bus warten!
Diesmal nur etwa 10 Minuten. Wie erfrischend!
Um weiteren Pannen aus dem Weg zu gehen, beschließe ich, den Rest des Weges einfach zu laufen. Wenigstens ist das Wetter angenehm.
Während ich den bisherigen Verlauf des Tages rekapituliere, komme ich um ein glucksendes Lachen nicht herum.
Viel zu viel Schwachsinn für einen Tag! -Wer kann das noch ernst nehmen?!
Auf der Arbeit erwartet mich schließlich der ganz normale Wahnsinn.
Erleichtert mache ich mich ans Werk, aber nicht ohne vorher der Azubine mit meiner Geschichte den Tag zu erhellen.
Ein Traum!

Hat das alles mit Freitag dem 13. zu tun?
Ich glaube nicht.

Wenigstens  hat man dann nochmal was zu erzählen!
sagt die Kathrin

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