Donnerstag
Jeder spricht vom ‘Fest der Liebe’ und der ‘besinnlichen Zeit des Jahres’, dabei ist die Adventszeit so ziemlich das anstrengste, was einem im Laufe eines Kalenderjahres so passieren kann…
Das Motto lautet: ‘Wo das ‘Fest der Liebe’ anfängt, hört der Spaß auf!’
Je näher die Feiertage rücken, desto wahnsinniger werden die Leute auf der Straße und in den Geschäften. Chaos und Wahnsinn steigen proportional zur Anzahl der brennenden Adventskranzkerzlein.
Parkplätze werden weggeschnappt, auf anderer Leute Füßen gestanden, im Supermarkt rumgepöbelt, auf dem Weihnachtsmarkt rumgeschubst [-Ganz dufte Sache, wenn man gerade einen Kinderpunsch in der Hand hat..solltet ihr ma ausprobieren].
Von Liebe und Besinnlichkeit keine Spur…
Und dann kommt Weihnachten auch immer so plötzlich!
Manchmal kommt es mir vor, als würde das Datum jedes Jahr neu gezogen und mit nur 1 Woche Vorlaufzeit verkündet. [Manchmal wünsche ich mir, es wäre wirklich so...Dann könnte man den Wahnsinn wenigstens erklären...]
Ganz im Sinne von Charles Dickens besucht uns jetzt der Geist der vergangenen Weihnacht:
Früher war alles besser!
Als Kind war Weihnachten einfach nur herrlich!
Man ist noch zu klein, um selbst Geschenke zu besorgen, man glaubt noch dran, dass ein beflügeltes Christkindl -oder auch ein rotbekleideter alter Mann- die Geschenke für alle unter den Baum legt. Die Stimmung war geheimnisvoll, spannend und festlich.
Bevor man die Geschenke auch nur anfassen darf, wird gesungen und gegessen (nacheinander! -ganz wichtig).
Mein Opa, der tollstbeste von Welt, hat meinen Bruder und mich immer in sein Wohnzimmer zitiert, während das Christkind die Geschenke unter den Baum meiner Eltern packte.
Während des Abendessens erklang dann plötzlich ein Glöckchen aus dem elterlichen Wohnzimmer.
[-Nachdem wir den Verdacht geäußert hatten, dass das Christkind gar nicht echt sei, da immer einer der 'Großen' fehlt, wenn's glöckelt, hatte Papa eine Glocke am Holzbalken im Wohnzimmer befestigt und ein Schnürchen durch Ösen bis zum Esstisch geleitet, wo er, ganz dezent, fernläuten konnte].
Mein Bruder rennt also los, und bleibt wie erstarrt vorm Wohnzimmer stehen als ihm einfällt, dass beim Läuten keiner gefehlt hat…
Unter allgemeinem Gelächter schleichen wir uns vorsichtig weiter…Ein kritischer Blick durch den Vorhang verrät:
Geschenke unterm Baum? Check!
Christkindmonster weg? Check!
Schwein gehabt!
Der Rest des Abends war einfach nur gemütlich. Geschenke aus- , und im weniger erfreulichen Falle auch ANprobieren, mit der Familie zusammensitzen…Keiner muss weg, alle haben Zeit…Einfach schön!
Wenn man den Geist der diesjährigen Weihnacht betrachtet, hat der schon schwer an Zauber und Festlichkeit eingebüßt.
Wir wissen alle wo die Geschenke herkommen, und haben das meist sogar schmerzlich erleiden müssen, mein Opa ist nicht mehr da -was mindestens 90% weniger Flaire bedeutet, da er immer in Anzug und einer Wolke aus Rasierwasser erschien-, und überhaupt ist irgendwie nichts mehr wirklich ‘feierliches’ dabei.
Natürlich ist es nach wie vor schön, wenn die Familie zusammenkommt.
Ich liebe meine Familie! -Oder besser: Meine FamilieN! Für mich sind solche Festtage keine Plage, die es auszusitzen gilt…Und ich liebe es auch, Geschenke zu machen!
Und trotzdem kommt kein festliches Gefühl auf.
Man sagt immer, dass das wiederkommt, wenn ‘die nächste Generation’ da ist…Wenn es wieder Zwerge gibt, die mit leuchtenden Augen vorm Baum stehen und enttäuscht sind, das Christkind schon wieder nicht gesehen zu haben…[-Den Trick mit der Schnur am Glöckchen muss ich mir unbedingt merken]
Hoffen wir, dass sich das bewahrheitet! Ich hätte nichts gegen etwas mehr festlichen Zauber einzuwenden.
Bis dahin freu ich mich einfach, einen schönen Abend mit der Familie zu verbringen und Geschenke zu verteilen (und natürlich auch darauf, welche auszupacken
).
Ich wünsch euch allen möglichst wundervolle Weihnachten!
sagt die Kathrin
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