Mrz 02

Dienstag

Seit Juni letzten Jahres ist meine Nasszelle eine Baustelle.
Das gute Stück hat den Begriff ‘Nasszelle’ etwas zu wörtlich genommen und beschlossen, das scheinbar über Monate hinweg vom anhaltend inkontinenten Boiler im darüber liegenden Stockwerk freundlicherweise zur Verfügung gestellte Wasser gänzlich aufzusaugen.
Als Fachwerk und Holzbalkendecke mit Lehmausfachung war sie dazu natürlich auch prädestiniert…

Heimlich, still und leise tropft es so lange, bis die Deckenverkleidung im benachbarten Flur eines schönen Tages die Nase voll hat und den Abgang macht.

Man stelle sich die erstaunten Gesichter vor:

O_o

Natürlich denkt man in so einem Moment nicht daran, dass man bereits wenige Tage später eine wasserversorgungstechnische Zeitreise antreten wird.
NEIN! Das ist nur…eine kleine Ermüdungserscheinung der Materialien…nichts weiter…

Die Decke wird freigelegt, und ein Trockengerät brummt über Wochen fröhlich vor sich hin…
Eigentlich wäre die Sache damit erledigt…

Eigentlich.

Wäre da nicht der Schelm, der auf die glorreiche Idee kommt, sein Messgerät spaßeshalber auch in die tieferen Sphären der Decke zu schieben…

Plötzlich kommen die starken Männer mit Masken und großem Container und stehlen mein Bad…wortwörtlich…Nichts mehr da. Selbst die Wand musste sterben…Stattdessen bevölkern etwa 20 Stahlstützen und 2 Trockengeräte das, was früher einmal Flur und Badezimmer war.
Flurzugang und Schlafzimmer hermetisch abgeriegelt, Klamotten & Co überall in der Wohnung verteilt, die Couch zum Bett umfunktioniert…
- Und ja, das ist genauso gemütlich wie es klingt!

Nach nur einem weiteren Monat ergeben die neusten Messungen, dass tatsächlich mit dem Wiederaufbau begonnen werden kann.
Erst werden die Deckenbalken verstärkt, dann die ehemals mit Lehm ausgefachten Zwischenräume mit Betonfertigteilen bestückt, die Rahmen der Gipskartonständerwände aufgestellt, elektrische Leitungen eingezogen, Wasseranschlüsse verlegt und  erneuert…

Und damit geht der Spaß erst richtig los:

Der Installateur:
-Er verlegt die Anschlüsse für die Dusche und schafft es trotz vorgegebener Maße nicht, die Rohrenden mittig in der Dusche zu platzieren #Fail
-Er ‘vergisst’, dass der Wasserhahn direkt aus der Vorwandinstallation gelegt werden soll. #Fail
-Er schneidet die Anschlüsse des Heizkörpers so kurz, dass dieser umgedreht montiert werden muss. #Fail
-Die Duschwanne wird erst unterfüttert, als er unmissverständlich dazu aufgefordert wird. Dabei scheint ihm dann wohl ‘irgendwie’ Schlamm in den Abfluss geraten zu sein. Außerdem fehlt jede Spur der Abdeckung des Ablaufs. #Fail

Der Trockenbauer hat es geschafft, eines der lose in der Wand (für ihn noch sichtbar) verlegten Stromkabel anzubohren. #Fail

Der Fliesenleger verbohrt sich bei den Steckdosenlöchern. -Wer kommt aber auch auf die Idee, dass bei einer 3-fach Steckdose die Abstände gleich sein müssen?! #Fail

Der Schreiner baut eine Schiebetür ohne Schloss ein. Die Frage, ob er sich nicht an die Vorgaben der Absprache (und somit das gewünschte Schloss) erinnern könne, verneint er zögerlich. Auf die Frage wie viele Badezimmertüren er bereits ohne Schloss gefertigt hat, findet er keine Antwort… #Fail

Da kann man doch direkt froh sein, Fachbetriebe engagiert zu haben!
-Und das Schauspiel ist noch nicht zu Ende…Es bleibt spannend!

Wenn ich es nicht selbst erleben würde, würde ich es nicht glauben,
sagt die Kathrin.

| Trackback | Kurzlink

Ein Kommentar zu “Meine Damen und Herren…das BAD! -ein Drama in 472 Akten”

  1. tanine schreibt:

    Das klingt nach einem richtig guten Roman. Wann kommt Teil Zwei der Trilogie heraus? ;)
    Ganz im ernst.. bei Handwerkern muss man das Schlimmste erwarten, um sich über das, was man bekommt, noch freuen zu können.

    Mfg

Einen Kommentar verfassen